"Historische Schlosskirche Jahnishausen" e.V.
 

 

 


Eine Glocke kehrt heim

Hans H. Caesar

Eine Heimkehr nach 325 Jahren. Ein außergewöhnliches Ereignis. Man schrieb den 12. September 2004. In Nickritz, einem Ortsteil von Riesa an der Elbe, wurde ein Pferdewagen mit einer Girlande aus Eichenblättern und Weizenähren geschmückt, um diese kostbar Fracht zu ihrem angestammten Ort zu transportieren. 45 cm hoch und etwa 100 Kg schwer ist die ehrwürdige Glocke, die vor 325 Jahren, so berichtet man, erstmals in der damaligen Schlosskirche von Rittergut Jahnishausen geläutet wurde. Die Schlosskapelle wurde von Rittmeister Augustus von Kötteritz, dem Besitzer der Herrschaft Jahnishausen, erbaut und 1666 geweiht. Wahrscheinlich wurden die drei Glocken etwas später in den Kirchturm eingefügt, denn man kann erfahren, dass diese kleine Glocke, die nun in Ihre Heimat zurückgebracht wurde, erstmals 1679 Erwähnung fand.

Die heutige Schlosskirche von Jahnishausen wurde 1936 vom sächsischen Königshaus der Wettiner, zu deren Besitz das Rittergut gehörte, an die Landeskirche von Sachsen verschenkt. Auch danach wurde jeden dritten Sonntag im Monat vom Pausitzer Pfarrer, zu dessen Kirchspiel Jahnishausen gehörte, Gottesdienst gehalten. Auch Taufen und Trauungen fanden hier statt. Der Autor dieser Zeilen ging vor seinem ersten Schultag zuerst hier in die Kirche.

In den 70er Jahren sah sich die Landeskirche nicht mehr in der Lage, dieses kleine Gotteshaus zu unterhalten. Es war damit dem Verfall preisgegeben. Gestühl, wurmstichig in die Jahre gekommen, Altar, Empore, Orgel, Turmuhr, ja selbst die Sandsteinfliesen des Fußbodens, wurden aus der Kirche geholt. Auch die Turmuhr zeigt heute die Zeit in einem anderen Gotteshaus an. Nur die kleinste der drei Glocken hing noch einsam in der leeren Hülle der einst schmucken Kirche, welche als Nachfolgebau zur ersten Schlosskapelle aus dem 17. Jahrhundert bis 1792 errichtet wurde. Ihre beiden Schwestern wurden die eine im ersten, die andere im zweiten Weltkrieg eingeschmolzen. Der Schlossermeister Jope, selbst Kirchenmitglied, holte die Glocke aus dem verfallenden Turm und verwahrte sie in der Klosterkirche von Riesa. Von dort kam sie auf den Mildnerschen Hof nach Nickritz. Das hatte natürlich eine Vorgeschichte von geschichtlicher Tragweite.

Die Wiedervereinigung Deutschlands 1989 warf auch die Fesseln der sozialistischen Ideologie ab, welcher das Schicksal kostbarer Bauwerke ziemlich gleichgültig war, es sei denn, man konnte mit dem Wiederaufbau renommieren. Freunden aus Jahnishausen und umliegenden Dörfern, auch ehemaligen Bewohnern dieser Orte, war es nicht gleichgültig, was aus der Kirche in Jahnishausen werden würde. Verfall? Nein. Und so gründete eine kleine engagierte Gruppe den Verein zur Erhaltung der Schlosskirche von Jahnishausen. Hier muß in aller Deutlichkeit gesagt werden, dass die Restaurierung des stark beschädigten Bauwerkes ohne die Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz nicht möglich gewesen wäre. Nach der Sanierung des Turmes und Kirchenschiffes, nachdem vor allem aus Spenden, Hilfen der Stadt Riesa und des Denkmalschutzes das Gebäude nutzbar gemacht werden konnte, war daran zu denken, die letzte der ursprünglich drei Glocken wieder in den Turm zu bringen. Und das geschah am 12. September 2004.

Die geschmückte Glocke wurde von einem Pferdegespann im Hof von Midners abgeholt und, begleitet vom Posaunenchor, über Neu-Nickritz, Gostewitz und Böhlen nach Jahnishausen gebracht. wo sie von mehr als 300 Menschen begrüßt wurde. Durch die Veranstaltungen des Vereins Historische Schloßkirche Jahnishausen ist seither ein bekannter kultureller Treffpunkt gewachsen, dessen diesjährigen Höhepunkt, den der Rückführung der Glocke und feierliche Weihe niemand der der inzwischen zahlreichen Freunde und deren Bekannte verpassen wollte. 

Die Vorsitzende des Vereins, Frau Roswitha Mildner, begrüßte alle Anwesenden  und freute sich, daß auch die Frau Oberbürgermeisterin von Riesa gekommen war.

Pfarrer Johann Stein fasste in seiner Ansprache die allgemeine Freude in Worte, dass die Glocke wieder ihren angestammten Platz im Kirchturm einnehmen wird. Sie wird wieder das Signal verkünden, dass die Kirche lebt Freudentränen standen vielen in den Augen. Es war ein erhebender Augenblick für viele Menschen, die hier zu Hause waren oder sind.

Nun warteten die starken Männer in dunklen Hosen, weißen Hemden und roten Halstüchern auf das Kommando, das kostbare Kleinod an einem Seilzug in die Höhe zu ziehen(Abb.6). Bald schwebte sie über dem wunderschönen Relief aus der Renaissancezeit, das als Replik nach der Restaurierung wieder über dem Kirchenportal angebracht worden war. Der Pfarrer hatte sie fest an der Leine. Oder zog er sie gar mit göttlicher Kraft nach oben? Die letzten Zentimeter mussten kräftige Hände noch nachhelfen, dann hing die Glocke wieder im Gestühl und wurde von der Frau Oberbürgermeister zum ersten Mal angeschlagen. Sie wird nun jedes Mal ihren Ruf über das kleine Dorf erklingen lassen, wenn der Verein Historische Schloßkirche Jahnishausen sie zu einer Veranstaltung rufen lässt.

Vielleicht folgt bald auch der Einbau einer Turmuhr. Ein edler Spender hat sie angeboten. Dann kann die Glocke auch wieder zu den Stunden angeschlagen werden.

Die nächste große Sorge gilt der Außenhaut des Kirchenschiffes. Es sollte dringend verputzt werden. So fügt der Autor dieser Zeilen die Bitte an, zur Wiederherstellung der Schlosskirche von Jahnishausen dem Verein eine Spende zukommen zu lassen.

Historische Schloßkirche Jahnishausen
01594 Riesa-Nickritz
Kto. Nr. 1137204
Volksbank Riesa eG
BLZ 85094984.

Und schließlich gilt mein Dank allen, die dieses Fest mit ihrem selbstlosen Einsatz möglich gemacht haben.

Hans H. Caesar