"Historische Schlosskirche Jahnishausen" e.V.
 

Abschrift eines Textes aus dem deutschen Schriftbild in das lateinische Schriftbild
Wahrscheinlich aufgeschrieben von dem ehemaligen

Pfarrer Karl Max Wittig
geb. 1860 gest. 1943
Amtszeit in Pausitz von 1899 bis 1925

Jahnishausen

Folgt man an einem schönen Sommernachmittage dem Strom der Ausflügler, der von Riesa und seiner Umgebung ausgehend, sich durch Pausitz und Nickritz schlängelt, so gelangt man nach dem kleinen idyllisch gelegenen Dorf Jahnishausen, nach dessen Gasthof die Menge der Erholungssuchenden strömt, um sich hier an köstlich mundenden Kaffee und selbstgebackenen Kuchen oder anderen Genüssen zu erlaben. Und da wir nun einmal in Jahnishausen sind, so verlohnt es sich wohl auch, dasselbe einer näheren Betrachtung zu unterziehen.
Das Dorf Jahnishausen wird urkundlich zuerst im Jahre 1389 erwähnt. Damals gehörte es einem Herrn von Kanitz und hieß allgemein Watzschwitz. Die Familie Kanitz scheint das Rittergut ziemlich lange besessen zu haben, denn erst in der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts ging es auf die von Schleinitz über. In dieser Familie war der Taufname Jhan (Johann) üblich und das scheint die Veranlassung gewesen zu sein, daß, nachdem Jhan von Schleinitz Dorf und Rittergut erbte, vom Anfang des 16. Jahrhunderts an diesen Ort anstatt Watzschwitz allgemein Jahnishausen genannt wird .
Die Familie derer von Schleinitz muß einen sehr reiche gewesen sein, denn es gehörten ihr außer Watzschwitz auch noch die Rittergüter Skassa, Dahlen, Börln, Reichenbach, Saathain, Ragewitz, Stauehitz und Seerhausen. Die Mutter dieses ersten Jhan von Schleinitz, der 1463 starb, war eine Schwester des unglücklichen, in Freiberg enthaupteten Kunz von Kaufungen. Nach dem Auftreten Luthers und dem Beginn der Reformation, neigte auch der vorhin erwähnte Jhan von Schleinitz dieser Lehre zu, worauf er von Herzog Georg aller seiner Güter verlustig erklärt wurde und Zuflucht in Freiberg bei Georgs Bruder, dem Herzog Heinrich, suchte und fand. Später ist dann eine Aussöhnung Herzog Georgs erfolgt, und Jhan trat wieder in den Besitz seiner Güter. An diesen Schleinitz hat auch Luther, an den man sich um Aufschluß wegen einer Eheschließung gewandt, geschrieben. Nämlich in Pausitz wollte ein junger Geselle eine Witwe heiraten, deren verstorbener Mann diesem das Firmtuch umgebunden, daß heißt bei der Firmelung, Patenstelle vertreten hatte. Deshalb konnte nach katholischer Lehre eine Verheiratung beider, nur eine päpstliche Dispensation ermöglichen. Da diese der damalige Bischof von Meißen nicht vermittelte, wandte man sich an Luther. Und dieser trat in dem genannten Briefe ganz entschieden für die Eheschließung ein.
(aus "Luthersche Werke, Altenburg / Tarn.II, pag 350").
1528 erbte Dietrich von Schleinitz Jahnishausen, der 1540 von dem aufgehobenen Benediktinerinnen-Nonnenkloster Riesa für 900 Gulden das Dorf Weida und die Hälfte des Dorfes Pausitz kaufte. Mit 2 Hufen und dem Garbenzehnten dotierte er dann die Pfarrstelle daselbst und wurde so der Gründer der Parochie Pausitz. Die Herren von Schleinitz haben Jahnishausen bis 1645 besessen, während welcher Zeit es mehrmals von den Schweden, die ja von 1635 an Sachsen ganz besonders heimsuchten, verwüstet worden ist. Der letzte Besitzer derer von Schleinitz, Heinrich von Schleinitz, Oberst eines Regiments unter Kurfürst Georg I. war es, der 1647 den von dem Schwedenoberst Wanke gefassten Plan, Georg I. zu ermorden, vorzüglich vereiteln half. Von diesem Heinrich von Schleinitz hatte ein Herr von Kötteritz aus dem Hause Kroßtewitz, ein schwedischer Rittmeister, das Gut Jahnishausen erworben. Unter diesem wurde im Jahr 1663 der Grund zur Jahnishausener Kirche gelegt. Sie ist auf einem Dreschgarten, der Michael Lorenz gehört und schon geraume Zeit wüste gelegen hatte, erbaut worden (Erbregister von 1676). Vollendet wurde sie im Jahre 1666, von Superintendent Dr. Meißner aus Hayn feierlich eingeweiht und Templum salvatoris genannt. Vorgenannter Herr von Kötteritz wird nach seinem im Jahr 1672 erfolgten Tode von 13 Pfarrern zunächst in die Schloßkapelle getragen und hier einstweilen beigesetzt. Erst später wird er nach Pausitz in das inzwischen fertiggestellte Erbbegräbnis gebracht. An ihn und seine Gemahlin erinnern noch heute zwei Denksteine in der Kirche zu Pausitz, die bei der letzten
Renovation wieder in Stand gesetzt worden sind und eine Sehenswürdigkeit der Kirche bilden.
Das Rittergut Jahnishausen ging nun auf seinen Sohn Friedrich August von Kötteritz über. Trotzdem dieser schon in jungen Jahren starb, so hatte er doch mancherlei Beweise seines gottesfürchtigen Sinnes gegeben. So kaufte er seinem Pastor einen neuen Priesterrock für Jahnishausen, damit dieser, wenn er hier predigen mußte, einen solchen vorfindet. Nach ihm kam Jahnishausen durch Kauf an Maria Sophia verwitwete Freifrau von Reichenbach, geborene von Friesen. Diese, eine sehr fromme und wohltätige Dame, lebt noch heute, durch das von ihr begründete Schulgestift in Mehltheuer in dankbaren Andenken armer Einwohner des damaligen Gerichtsbezirks des Rittergutes Jahnishausen fort. Aus dieser Stiftung wurden nicht bloß der jeweilige Stiftslehrer - als erster wird der Katechet M. Johann Heinrich Gaolienus genannt -, mit 100 Talern besoldet, sondern auch 11 arme Kinder dieses Gerichtssprengeis mit Information, Kleidern, Büchern und Brotgeld versorgt, wie auch 15 Taler jährlich für arme Leute, welche alt und krank sind, verwendet werden. Diese edle Wohltäterin hat Jahnishausen 40 Jahre lang besessen und starb 66 Jahre alt an der Wassersucht. Sie wurde 1718 in Schönfeld in ihrem Familienbegräbnis beigesetzt. Jahnishausen hatte sie testamentarisch dem Sohn ihrer Schwester, dem Generalpostmeister und Erbherren der Standesherrschaft Muskau in der Niederlausitz August Heinrich Gottlob Graf von Calenberg vererbt. Da er aber, nachdem er von seiner Gattin geschieden, dieser keinen standesgemäßen Unterhalt gewähren konnte, mußte er ihr Jahnishausen 1730 abtreten. Unter ihrer Herrschaft wurde das Rittergut durch Feuer zum großen Teil zerstört. Erst mehrere Jahre später wurden die Trümmerreste notdürftig beiseite geschafft. Ihr einziger Sohn August Heinrich Curt Graf von Calenberg erbte Jahnishausen. Als Gesandter am dänischen Hofe und wohl auch infolge der Drangsale des 7jährigen Krieges war dieser in eine große Schuldenlast geraten, die aber mehrere Male von seinem Paten, seiner Majestät dem König von Polen und Kurfürst von Sachsen, getilgt wurde. Allein auch diese Hilfe konnte den Ruin nicht aufhalten, und so kam es zum Konkurs, bei dem nicht nur die Kirchen "ärarien" zu Pausitz, Prausitz und Mehltheuer große Summen verloren, sondern auch Jahnishausen sub hasta verkauft werden mußte. Ein Herr Christoph von Plötz, Hauptmann in chursächsischen Diensten, erstand das Rittergut. Er läßt die 1730 durch Brand zerstörten Schloßgebäude notdürftig wieder aufbauen. Da die Schloßkapelle unter den Vorbesitzern gänzlich verfallen war, so wollte Herr von Plötz den sistierten Gottesdienst in einem auf dem Schloßboden eingerichteten Betsaal verlegen. Dagegen sträubt sich aber der Pfarrer von Pausitz, M. Schmidt und der größte Teil der Kirchfahrt erfolgreich, sodaß sich Herr von Plötz genötigt sieht, will er den einstweilen nach Pausitz verlegten Gottesdienst wieder in Jahnishausen eingerichtet sehen, die verfallene Schloßkapelle wieder von Grund auf zu erneuern. Nachdem ihm aus dem Ärar zu Pausitz 2000 Taler zugesagt waren, und er selbst 500 Taler beigesteuert hatte, sollte der Bau beginnen. Nun wollte er aber auch die nach Pausitz Eingepfarrten zu den Spann- und Handdiensten zwingen. Diese weigerten sich aber dessen, und es beginnt ein von beiden Seiten erbittert geführter Prozess, der aber in allen Instanzen zugunsten der Bauern entschieden wird (Akten in der Mühle zu Oelsitz), Trotzdem wird der Bau in seiner heutigen Gestalt vollendet und die Kirche am 13. Oktober 1790 im Beisein der Herren Ephoren aus Hayn und Oschatz und vieler assistierender Geistlichen eingeweiht. Die eiförmige Gestalt, die das Kirchengebäude von Anfang an hatte, blieb ihr erhalten. Der sie schmückende Turm wurde erst 3 Jahre später angesetzt. Eine bis heute erhaltene Merkwürdigkeit ist das aus Schmiedeeisen gearbeitete Schlüsselschild an der Turmtüre, das einen Landsknecht darstellt. Jber dieser Rundbogentür ist ein einst wertvolles Relief eingemauert, das die Maria mit dem Jesuskinde zeigt. Rechts davon befinden sich Ochs und Esel, darüber Joseph und links zwei anbetende Hirten.
In dieser Zeit kommt der Herr von Plötz durch die damals ausgebrochenen Bauernunruhen in eine sehr bedrängte Lage. Der Chronist schreibt: "Am 27. August 1790 ging ein Commando von 200 Infanteristen, 80 Dragonern und einem Geschütz gegen die Aufständischen von Jahnishausen vor. Dort ging es bunt genug her. Der Gutsherr war in arger Bedrängnis, die Bauern drangen in sein Schloß und rangen ihm einen Verzicht nach dem anderen ab. Zu den sonderbarsten Zugeständnissen mußte er sich bequemen. Da verlangte zum Beispiel ein Bauer als Entschädigung für eine vor Jahren empfangene Ohrfeige die gesetzliche Sühne von 5 Talern, wo nicht, so sei er zu Gegendiensten bereit. Ein anderer behauptete, einst vom Herrn mit dem Schimpfwort Hundsvoigt (Hundsfott) ausgezeichnet worden zu sein, das wäre eine ehrenrührige Beleidigung und koste eine Sühne von 3 Talern u.s.f. So erpreßten sie von dem geängsteten Schloßherren Summe auf Summe. Da nahten während eben die Bauern ihre Taler einstrichen, die rettenden Dragoner. Mit geschwungenen Klingen sprangen sie durch den Torweg in die dicht eingekeilte Menge der nichts ahnenden Bauern, schreiend stieben diese auseinander, erkletteren eine Bretterplanke, die unter ihrer Last zusammenbricht und im Nu ist der Hof leer und der Aufstand gedämpft."
Tief begründet und daher begreiflich war diese Unzufriedenheit der Bauern und der damit zusammenhängende Aufstand, denn hart und schwer lastete die Vorrechte der Grund- und Gerichtsherren auf dem Bauernstande; die Frondienste, die Hutungs- und Triftrechte, der Gesindezwang, die Zinsabgaben in natura und bar, die die Landbewohner an die Rittergüter zu leisten hatten, drückten den Bauern fast zu deren Leibeigenen herab. Von all den Lasten erhält man einen klaren Begriff bei der Durchsicht des im Pfarrarchiv zu Pausitz sich befindlichen Erbregisters von Jahnishausen, in welchem alle Rechte der Erbherren und alle Pflichten der Untertanen aufgezeichnet sind. Aus dieser Copie des Erbregisters von Jahnishausen vom 20. September 1676 ist zu ersehen, daß alle Untertanen nach ihrem Besitz in Pferdner, Halb- und Viertelnüfner, Dreschgärtner und Häusler geordnet sind. Sie werden hier mit Namen aufgeführt und dabei auch die aus dem 30jährigen Kriege her als Kaduk (zerstört) liegende Anwesen erwähnt. Das Dorf Jahnishausen hatte nach diesem Verzeichnis 5 Untertanen, den Besitzer der Schenke und 4 Dreschgärtner. Diese müssen neben den 4 Nickritzern, 6 Böhlischen und einem Oelsitzer Dreschgärtner mit ihren Weibern das Getreide schneiden und aufbringen bis in die Bande und Schocke um einen Lohn das 13. Schock Korn und Weizen; item Erbsen, Wicken und Heydekorn. So müssen auch vermeldete Drescher, außer der Schenke und dem Häusler zu Bohlen die Rüben ausziehen und aufladen helfen, und wird einem jeden hiervon 8 Pfennige zum täglichen Lohn entrichtet.
Ferner müssen - wie berichtet wird - auch die Dreschgärtner ohne Entgelt allen Mist breiten, das Kraut stecken, ausschneiden oder abhauen, die Hirsen jäten und abkolben; item dem Flachs und Hanf jäten, den reifen riffeln, einlegen oder anbreiten, auch aufraffen, binden und brechen; den Hopfen abnehmen und pflücken, die Schafe schwemmen und beim Wolle abnehmen die Schafe zutragen. Das Bier und andere Getränke außm Brauhause in Keller schaffen und schroten helfen, wovon sie jedesmal eine große Wasserkanne Bier bekommen. Hanf, Lein und Hirsen gleich allen vorgehenden auch ohne Entgelt ausdreschen und reine machen helfen. Allein von Hanf und Hirsen haben sie in das gewöhnliche Lohn vom Scheffel eine Metze zu bekommen. Wenn sie aber im Sommer mit anspannen oder sonsten etwas arbeiten, so bekommen sie jeden Tag 18 Pfennige zum Lohne. Im übrigen dreschen sie um den 17. Scheffel gestrichen, müssen soweit man sie schickt, Botschaft gehen, bekommen von der Meile 8 Pfennig, wenn sie aber etwas tragen, 1 Groschen, wie auch da, sie irgendwo warten müssen, 1 Groschen Wartegeld täglich. Das gedroschene Getreide müssen sie ohne Entgelt auf die Böden tragen, sowohl was man säet, als auch sacken und auf den Wagen schaffen helfen, auch Mist laden, und bekommt ein jeder für das Mistladen 6 Pfennig bei der Gesindekost, darzu sie das Brot mitbringen müssen.
Außer noch vielen anderen Arbeiten, müssen sie auch die Heyde-Teiche da es nötig, mit fischen helfen. (Diese Heydeteiche befanden sich nach Mehltheuer zu. Die Heydebirken, ein kleines Büschchen, erinnern noch daran. Auf alten Karten ist der Heydeteich noch verzeichnet. Neben diesem aufgefüllten Teich muß ein Dorf -Neuprausitz- im Volksmund genannt - gestanden haben, das höchstwahrscheinlich im 30-jährigen Krieg kaduk gegangen, und beim Ackern noch Reste der Grundmauern zum Vorschein kommen.) Hatten diese Fröner über Sommers und Winter richtig gesät, bekommen sie insgesamt 2 dicke Thaler Lohn. Mußten sie mehr Seile machen als festgesetzt war, so bekamen sie für jedes Schock einen dreihellerspfennig Macherlohn. Für andere Arbeiten gibt es 3 Metzen Backkorn und 1/2 Schock feine Käse als Jahreslohn. Ferner müssen sie Wachdienste verrichten, Gefangene transportieren, bei der Jagd helfen, so oft der Herr jagt, auch ihre Kinder ein Jahr ums andere dem Herren zum Dienst anbieten; das ist der Gesindezwang. Ebenso sind die Fronen der Pferdner, Haibund Viertelhüfner bis ins Kleinste geregelt. Sie hatten ohne jede Rücksicht auf den Stand der eigenen Arbeiten zu erscheinen, wenn sie bestellt wurden. Aus diesem Erbregister ist zu ersehen, daß die Frönen aus Winkwitz bei Meißen, aus Lommatzsch, Altsattel und anderen ziemlich weit von Jahnishausen entfernt liegenden Orten in Jahnishausen zu erscheinen haben. Freilich sind diese Fronarbeiten nach und nach immer lässiger ausgeführt worden, sodaß sich der Verwalter Karl Friedrich Schulze genötigt sieht, eine neue Verordnung am 24. Januar 1812 unter dem damaligen Besitzer von Hopfgarten zu erlassen, in der unter anderem bestimmt wird, daß die Fröner, so eine halbe Stunde zu spät kommen, an diesem Tage nicht angenommen werden; sie haben den Hinweg für den Herweg zum Lohn.
Im Jahre 1796 verkauft Herr Dietrich von Plötz Jahnishausen an den vorher genannten chursächsischen Kabinettsminister Georg Wilhelm Grafen von Hopfgarten, nachherigen Königlich Sächsischen Kabinettsminister, Domprobst des hohen Stift zu 
Meißen u. s. w. . Dieser Herr brachte seinen Gerichtsuntertanen die sehnlichst erwartete Ruhe und gesetzliche Ordnung. Verderbliche Prozesse erreichten in wenig Jahren ihr Ende, und alle fühlten sich glücklich und verrichteten ihre Obliegenheiten heiter und froh.
Das in aller Hinsicht als halb wüste zu betrachtende Jahnishausen fand in ihm einen neuen Schöpfer. Die unter dem Vorbesitzer auf die alten Mauern wieder erbauten und notdürftig unter das Dach gebrachten Schloßgebäude hat dieser Herr - soweit sich überhaupt aus denselben überhaupt etwas machen ließ - mit vielen Kosten ausgebaut. So entstand ein neu-Jahnishausen. Dieser Graf von Hopfgarten starb 1813 in einem Alter von 74 Jahren in Freiberg, wo er damals mit seinem König weilte, angeblich als ein Opfer der damals in unserem Vaterlande so verderblichen französischen Partei. Von seinem Tode bis 1824 verwaltet der Graf Heinrich von Bünau auf Dahlen das Rittergut für die gräflichen Erben. Im selben Jahre erstand der Graf Christian Gottlieb von Hohnental auf Hohenprießnitz das Gut in freiwilliger Subhastation für 145 000 Taler, um es seinem Sohn, der damals Student in Leipzig war, zu schenken. Als aber dieser noch im nämlichen Jahre verstorben war, war dem durch diesen Todesfall tief gebeugten Vater dieser so wehmütige Erinnerungen weckende Besitz verleidet. Er benutzte daher gern die sich ihm darbietende Gelegenheit, daß Gut an den damaligen Herzog zu Sachsen, seine königliche Hoheit, den Prinzen Johann, im November 1824 zu verkaufen. In den Händen dieses Herrn ist das Gut bis zum 29. Oktober 1873 verblieben. Diese 49 Jahre währenden das gar schlichte und einfache Schloß oftmals der Frühlingsaufenthalt dieses unvergesslichen Fürsten und seiner Familie gewesen ist, sind jedenfalls die denkwürdigsten für dieses stille Gut und Dorf.
Wie ernst der damals noch jugendliche Prinz seine Pflichten als Rittergut- und Gerichtsherr auffasste, geht schon daraus hervor, daß er bereits am 3. Januar 1826 denjenigen, die dem Jahnishausener Armenwesen vorzustehen hatten, die Weisung gab: "Ich empfehle ihnen nochmals von dem, was ihnen von den Bedürfnissen einzelner oder ganzer Communen bekannt wird, Mich in Kenntnis zu setzen, wo Ich dann stets nach Kräften zu helfen bereit sein werde. "
Groß war die Freude der Gerichtsuntertanen, als am 24. April 1828 dem herzoglichen Paar der erste Sohn, der spätere König Albert, geboren ward. Aus Freude über den geschenkten Sohn wurde in aller Stille und mit der Bestimmung, daß von diesem Erlaß weiter hin kein Aufsehen gemacht werde, der Gesindezwang zur großen Freude der Untertanen aufgehoben. Wie die Abstellung des Hofgesindezwangsdienstes an die Geburt des nunmehr hochseligen ruhmgekrönten König Alberts, so erinnert eine andere wohltätige Stiftung noch heute an eine gnädige Bewahrung, die dem zweiten Sohn des nun in Gott ruhenden Landesherren, dem damaligen Prinzen Georg zuteil ward. Dieser war durch den Sturz des Wagens in augenscheinliche Lebensgefahr geraten, aber unverletzt geblieben. Deshalb stiftete der damalige Prinz Johann ein Capital von 560 Talern zur Begründung einer neuen Stelle im Schulgestift Mehltheuer, auf daß ein armes Kind aus dem Jahnishausener Gerichtssprengeis unentgeltlich unterrichtet, verpflegt und gekleidet werde - Georgsstiftung - . Überhaupt hat dieser mildtätige Fürst so oft er in Jahnishausen weilte und auch von Dresden aus der Jahnishausener Armen sich treulichst angenommen. Da gab es Holz- und Getreidedeputate für besonders Bedürftige, bare Geldunterstützungen oder Unterbringung in Staatsanstalten für Kranke und Invaliden, oder ohne eigene Schuld hinuntergekommene. Es war erstaunlich, wie sich dieser milde, leutselige und doch dabei so gelehrte Herr zur Zeit seines Aufenthalts in Jahnishausen um das Einzelste selbst und Kleinste zu kümmern pflegte. Mit seinem Pfarrer besuchte er, so oft er in Jahnishausen war, die Pausitzer Schule und freute sich in Sonderheit, wenn der alte Kirchschullehrer Ackermann, der bei ihm sehr gut angeschrieben stand, sächsische Geschichte in seiner drastischen Weise vortrug. Auch mit einzelnen Parochianen hat der hohe Herr überaus leutselig verkehrt und nach ihrem Ergehen erkundigt. Auch während des Feldzuges 1870/71 gelangten an die Weiber der aus der Jahnishausener Umgebung einberufenen Landwehrmänner von Dresden aus regelmäßig Unterstützung , die erst dann aufhörten, als die Betreffenden sämtlich gesund und wohlbehalten und als Sieger aus dem Kriege heimgekehrt waren. Da kann es auch nicht verwundern, daß sowohl bei Gelegenheit des goldenen Ehejubiläums der damaligen Königlichen Herrschaften, als bei der Kunde von dem seligen Heimgange des treuen Landesvaters und allzeit fürsorglichen Patronatsherrn die Liebe, Anhänglichkeit und Dankbarkeit der einstigen Rittergutsuntertanen auf das ungeheuchelste und oftmals in rührender und ergreifender Weise zu Tage trat. Als am 29. Oktober 1873 König Johann in Pillnitz verstorben war, übernahm infolge Testaments am 1. Dezember desselben Jahres dessen hinterlassene Witwe, die Königin-Mutter, Amalie von Sachsen, das Rittergut Jahnishausen. Sie hat dieselbe im Sinne und Geiste ihres heimgegangenen königlichen Gatten der Prochianen sich angenommen. Auch sie wählte dieses stille Dorf während der kurzen Zeit ihres Witwenstandes zu ihrem Frühlingsaufenthalte.
Um die Kirche von Jahnishausen hat die damalige durchlauchtigste Patronin noch dadurch ein großes und bleibendes Verdienst erworben, daß sie, um das Geläute bei dieser Kirche wieder zu vervollständigen, die seit langen Jahren gesprungene große Glocke 1876 in der Glockengießerei von Große in Dresden auf ihre Kosten umgießen ließ.
Schon im nächsten Jahr trat die Königin Mutter aus der Zeit in die Ewigkeit. Infolge dessen ist das Gut Jahnishausen nebst Zubehör an den Enkel , den Prinzen Max, übergegangen. Als aber dieser Prinz, der bei den Oschatzer Ulanen als Rittmeister diente, plötzlich zum geistigen Stande überging, da kaufte es ihm sein Oheim, der König Albert ab und machte es zu einem Krongute. Seitdem ist es in dem schlichten Schlosse völlig still geworden und nur zur Zeit der Jagd auf Hasen oder Fasanen kommt etwas Leben in das sonst stille Dorf.
Dasselbe mag sich gegen früher nicht viel verändert haben. Auf dem Besitztum der 4 Dreschgärtner sind nach und nach 8 Häuser erbaut worden und durch Zusammenlegung und Zukauf ist ein Bauerngut entstanden. Wegen überfüllung der Schule in Pausitz sah sich die Schulgemeinde genötigt, 1893 ein Schulhaus nach Jahnishausen zu bauen; die bisher 2-klassige Schule wurde 1913 durch Anbau in eine 4-klassige mit 2 Lehrern umgewandelt. Die wenigen Bewohner sind zum großen Teil Arbeiter des Eisenwerks Riesa oder anderer Fabriken.
Heute gehören Rittergut und Kirche dem König Friedrich August III., der wie seine Vorgänger die großen Ländereien verpachtet hat, während das Holz ein königlicher Förster beaufsichtigt.
Die Pachtung des Rittergutes Jahnishausen befindet sich seit dem Jahre 1860 - seit drei Generationen - in den Händen der Familie Schaeffer, der erste Pächter, der Großvater des jetztigen, war Hermann Schaeffer. 1874 übernahm der spätere Ökonomierat Bernhard Schaeffer, die Pachtung, die im Jahre 1910 an dessen Sohn überging.
Natürlich sind auch im Laufe dieser Jahre mancherlei bauliche Veränderungen vorgenommen, und auch in dem zum Rittergut gehörigen Vorwerk Großholz - an der Leipzig-Dresdener-Chaussee, nahe dem Bahnhof Prausitz gelegen - ist manches anders geworden. Zu Zeiten des Vorpächters Haubold bestanden die Fluren zum größten Teil aus Öd- und Holzland, während heute das Holz verschwunden ist und nur fruchtbare Felder dasselbe umgeben.
Besonders erwähnenswert ist die Schäferei mit ihrer Oxfordshire-Stammzucht. Als Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts die Wollpreise mehr und mehr zurückgingen und man auch bei Schafen immer mehr Wert auf eine große Figur, Fleischreichtum und Schnellwüchsigkeit zu legen begann, entschloss sich auch der damalige Pächter, Ökonomierat Schaeffer, die Zuchtrichtung zu wechsein. Zu Beginn der 80er Jahre wurden aus den berühmten Dreadwellschen Zuchten 25 Originaltiere bezogen, aus denen die heutige Stammzucht hervorgegangen ist. Der Bestand der Herde beträgt an Böcken, Mutterschafen, Jährlingszibben und Zibbenlämmern und Hammeln über 400 Stück.
Die Bestrebungen des Züchter B. Schaeffer wurden auch durch Verleihung mancher Auszeichnungen anerkannt. Noch heute beweisen breite Grasränder zu beiden Seiten der Wege, daß hier die Schafe auf die Weide getrieben wurden. Diese Trifte ziehen sich bis zum Großholz.
Die Arbeiter des Rittergutes sind in sogenannten Drescherhäusern untergebracht. Reger Betrieb herrscht auf dem Wirtschaftehofe, aber Schloß und Park liegen in beschaulicher Ruhe. Da ist es denn zu bedauern, daß der ehemalige Park mehr und mehr verfällt. Die bunten Blumenrabatten, die ihm einen so eigenen Reiz verliehen, sind verschwunden. Der Buchengang, der seines Gleichen in der ganzen Umgegend nicht hat, in dessen schattiger Kühle der hohe Denker wohl so manche einsame Stunde in stillem Sinnen verbracht, büßt jedes Jahr mehr und mehr von seiner Schönheit ein, und die vielen, oft weither stammenden seltenen Bäume und Sträucher, reden dem Besucher von einstiger Herrlichkeit. Als besondere Seltenheit gilt ein Ginkgo biloba (japanische Konifere), der in seiner Größe wohl einzig in Sachsen ist.
So träumen Schloß und Park und harren eines Prinzen, der sie zu neuem Leben weckt.