"Historische Schlosskirche Jahnishausen" e.V.
 

 

 


Konzerte 2001

 

2. Mai

Ein Tagpfauenauge der Schlosskirche Jahnishausen

Das Frühlingskonzert aus der Sicht eines Schmetterlings

Artikel

Ich verstehe die Welt nicht mehr. Den ganzen Winter hatte ich Ruhe in den alten Gemäuern. Doch kaum kitzeln mich die ersten Sonnenstrahlen an meinem Fensterplatz, beginnt ein Lärmen und Hämmern. An den rauen Männerstimmen, den Geruch von frischem Holz und das Sägen und Bohren hatte ich mich ja inzwischen gewöhnt. Doch ich war auch nicht gerade unglücklich, als ich wieder ganz allein war. Voller Neugier habe ich längst die von den Moritzburger Tischlern neu gebaute Empore erkundet. Wenn ich das richtig verstanden habe. werden auch die Seitentüren und die Haupteingangstür von ihnen restauriert und erneuert. In diesem Jahr sollen auch noch die Seitenwände im Inneren meiner histori­schen Schlosskirche verputzt werden. Das werde ich hoffentlich noch erleben, denn ein Schmetterling wie ich kommt nur über einen Winter.

Es gibt viele Menschen, die sich um mein ehrwürdiges Heim kümmern. Sie gehören zumeist zu dem Verein „Historische Schlosskirche Jahnishausen e. V.". Schon seit mehr als zehn Jahren sammeln sie Geld zum Erhalt der Kirche, die ohne sie schon längst zusammengefallen wäre. Es gibt da übrigens noch den Sohn des letzten Pächters des Rittergutes, der die Kirche und das Gut aus glanzvollen Tagen kennt. Dieser Hans H. Caesar ist 1990 sehr erschrocken, als er nach 50 Jahren die vollkommen verfallene und zerstörte Stätte seiner Kindheit und Jugend wiedersah. Aber er hat nicht resigniert, sondern hilft seither mit großen Spenden, alten Glanz wieder neu entstehen zu lassen.

Am letzten Sonntag aber war es ganz großartig in meiner Schlosskirche. Schon am Vormittag wurden Unmengen an Stühlen hereingetragen, Blumen und Kerzen und Tische. Auch Kinder haben mitgeholfen, alles schön zu arrangieren. Und am Nachmittag bin ich dann doch etwas erschrocken. So viele Leute habe ich noch nie gesehen. Sie saßen überall, sogar im Halbkreis im ehemaligen Altarraum. Ich war ziemlich aufgeregt und flatterte wie wild immer wieder den Fensterscheiben entlang. Ich wollte herausfliegen, mich verstecken vor den vielen Menschen. Konnte ich denn ahnen, dass sie in friedlicher Absicht zusammengekommen waren und mir keiner ein Leid tat? In meiner Aufregung bekam ich gar nicht gleich mit, dass hier Musik gemacht wurde zur Freude aller.

Die fünf jungen Frauen und die vier Männer aus dem Altarraum sangen den anderen wunderschöne Frühlings- und Liebeslieder aus acht Jahrhunderten vor. Das Singen machte ihnen sichtlich Spaß, und auch das Publikum klatschte begeistert. Durch das Beifallstosen wurde ich dann immer wieder ängstlich. Einmal hätte ich mir fast den Flügel verbrannt, als ich hektisch an einer Kerze vorbeiflog. Die neun jungen Freizeitsänger nennen sich seit 1993

„Die Oschatzer Vokalisten". Sie sind Musiker, Therapeuten, MTA, einer ist Klempner, einer Student, ihr Leiter, der Rene Michael Röder, ist Kantor in Rüsseina. In der jetzigen Besetzung gibt es sie erst seit Anfang dieses Jahres, aber sie waren von Anfang bis Ende ein Hörgenuss.

Ich hätte mich gern auf den Stiefmütterchen oder Primeln niedergelassen, aber da hätte ich die beiden jungen Frauen mit ihren Gitarren irritiert. Kathrein Schumann (18 Jahre) aus Radebeul und Stella Jähkel (17) aus Dresden spielten auf ihren Instrumenten Stücke von J. S. Bach, Fernando Sor, Mauro Giuliani und anderen. Beiden hört und sieht man an, dass sie schon vor mehr als zehn Jahren begonnen haben. Gitarre zu erlernen. Sie wollen Musik studieren und nutzen jeden Auftritt, um sich zu üben.

Auch wenn die Sonne durch die Kirchenfenster noch so verlockend schien, lauschte ich lieber dieser wunderbaren Musik, die mich ganz fröhlich stimmte. Als die Menschen schon längst gegangen waren, blieb für mich noch ein Festschmaus übrig. In der Pause hatte es nämlich Kaffee und Kuchen, Fettschnitten und Wein gegeben, und so lagen noch genug Krumen für mich auf dem Boden. Ein bisschen traurig war ich dann doch, dass alle, die wie eine große freundliche Familie miteinander umgingen, verschwunden waren. Aber bald kommen sie wieder, am 13. Mai gibt es Bläsermusik aus vier Jahrhunderten mit dem Bläserensemble Riesa. Mir gefällt das vertonte Lebensmotto der Oschatzer Vokalisten: „... ich brauche keine Millionen, mir fehlt kein Pfennig zum Glück, ich brauche weiter nichts als nur Musik, Musik, Musik..."

Von Ines Klotz

 

10. Juni 2001

Bach und Zeitgenossen in der Schlosskirche Jahnishausen

Musik für Flöte, Sopran und Cembalo

Ankündigung

Im Rahmen der diesjährigen Konzertsaison in der Schlosskirche Jahnishausen lädt der Förderverein am Sonntag, dem 10. Juni, um 16 Uhr zu seinem zweiten Benefizkonzert ein. Im Gegensatz zum ersten Konzert, einem Ausflug in die Welt der Vokalmusik, werden diesmal instrumentale Klänge zu hören sein. Kammermusik des 17. und 18. Jahrhunderts für Querflöte und Cembalo steht auf dem Programm. Dabei gelangen unter anderem Werke der Familie Bach, Georg Friedrich Händels und Georg Philipp Telemanns zur Aufführung. Solisten des Konzertes sind Johanna Korthus, Querflöte, und Christoph Lehmann, Cembalo. 
Im Herbst 1998 war Johanna Korthus bereits mit dem Barock-Ensemble der Kantorei Berlin-Neuwestend in der Schlosskirche zu Gast. Diesmal konzertiert sie mit ihrem Bruder Christoph Lehmann. 
Johanna Korthus absolvierte ein Schulmusikstudium in Berlin und war neben ihrer Lehrtätigkeit immer schon konzertierend unterwegs. Sie arbeitet jetzt als freie Musikerin und Querflötenlehrerin, ist jedoch die meiste Zeit auf Konzertreisen, wobei sie auch Meisterkurse gibt.
Christoph Lehmann studierte in Berlin und Köln und war Kantor in Düsseldorf, wo er in 12 Jahren nebenbei verschiedenen Interessen als Theatermusiker, Komponist, Arrangeur, Tonmeister, Verleger und Computer- Programmierer nachging.
Seit 1985 ist er freischaffend als Organist und Cembalist tätig sowie als Continuospieler in mehreren namhaften deutschen Ensembles für alte Musik.
Christoph Lehmann und seine Schwester sind von mancherlei Kulturen dieser Welt geprägt. Beide sind in China geboren, haben die Kindheit in Ostfriesland und die Jugend in Südafrika verlebt.
Der Erlös des Benefizkonzertes sowie die Spenden für die in der Pause gereichten Speisen und Getränke dienen dem weiteren Ausbau der Schlosskirche. 

Ruth Krauße

 

12. August

"Worüber soll ich heut' noch singen?"

Liedermacher Karl-Heinz Bomberg gastiert am Sonntag in der Schlosskirche zu Jahnishausen

Ankündigung

Zu einem weiteren der beliebten Benefizkonzerte lädt der Verein „Historische Schlosskirche Jahnishausen" ein. Am Sonntag, dem 12. August, ist ab 16 Uhr Liedermacher Karl-Heinz Bomberg zu Gast.

Karl-Heinz Bomberg - geboren 1955 in Thüringen, Doktor der Medizin, Liedermacher und Autor, 1984 in Stasi-Haft „wegen einiger Lieder", heute in Berlin lebend und praktizierend als Psychotherapeut. Schon seine Kurzbiographie macht neugierig auf das, was er zu sagen hat. Immer schon in Opposition, fragend, kritisch, schreibt Bomberg 1996: „Der Kapitalismus ist nicht in der Lage, die anstehenden Probleme zu lösen. Der real existierende Sozialismus war es noch weniger. Ist es der Mensch überhaupt? Es gibt in allen Systemen wiederkeh­rende große und kleine menschliche Schwächen und Stärken, die ich besingen möchte."

Mit spitzer Feder, witzig und messerscharf nimmt er hinterhälti­ge Feiglinge, Ja-Sager, Angepasste, Lügner, Karrieristen und Wendehälse auf die Schippe und charak­terisiert treffend die, die wir alle irgendwo wiederfinden. „Wenn die Deformer von gestern heute die Reformer sind, dann kann irgendwas nicht stimmen, oder ich bin taub und blind."

Passende Melodie zu prägnanten Versen

Beispielsweise im Lied über seinen Freund Diethelm singt er deshalb schonungslos: „Schreibt, obwohl er unzufrieden, für die angepasste Welt. Will es sich partout nicht leisten, eigene Meinung kundzutun. Fürchtet, er könnt Ruhm verlieren. Darum schreibt der Diethelm nun: Friede, Freude, Eierkuchen. Jedermann sollt es versuchen, allen nach dem Munde reden, in der Menge mitzutreten."

Seine prägnanten anspruchsvollen Verse kleidet er in passende Melodien. Man muss schon ganz Ohr und ganz konzentriert sein. um seinen Wortspielereien zu folgen. „Es gibt eine Art von Vergesslichkeit, die schützt vor jeder Verlässlichkeit." Zwischen seinen zur Gitarre vorgetragenen Liedern setzt er Pausen mit kurzen Sprechtexten. Auf dem Cover seines Buches „Zwischentexte" steht zu lesen: „Zwischentöne eines leisen Querdenkers, der sein ‚neualtes Lied' singt, Zwischentexte eines Propagandisten für die friedliche Konfliktlösung."

Nach dem Hören seiner neuesten CD mit dem eher rhetorisch ge­meinten Titel „Worüber soll ich heute noch singen" verspricht das Konzert von Karl-Heinz Bomberg ein Hörgenuss, friedlich, heiter, mit Biss, aber wohltuend ohne Endzeitstimmung zu werden. Er selbst schreibt: „Als ich 1978 anfing, Dylan-Lieder nachzusingen, konnte keiner ahnen, welchen Lauf die Dinge nehmen würden."

Seit seinen ersten Auftritten Anfang der 80er Jahre begeisterte er stets sein Publikum. Trotzdem bleibt für ihn und auch die Veranstalter immer wieder bis zum Schluss die Spannung, wie viele Leute auf sein Konzert und den Menschen Karl-Heinz Bomberg neugierig geworden sind.

Roswitha Mildner, Vorsitzende des Vereins „Historische Schlosskirche Jahnishausen e. V." beschreibt ihre Aufregung vor jedem Benefizkonzert, das der Verein während der Sommermonate organisiert: „Ich bin glücklich, wenn ich noch kurz vor Beginn von irgendwoher Stühle schleppen muss, dann weiß ich, es wird alles gut."  

Seit 1996 bringt es der Verein zu Stande, immer wieder Künstler für die Auftritte ohne Gage zu verpflichten und auch ein dankbares und stets wachsendes Publikum in die Kirche zu holen. Es ist schon ein Phänomen, mit welcher Begeisterung Künstler und Publikum Anteil nehmen an den gemeinsamen Konzerten.

Engagement des Vereins steckt andere an             

Schon die nächste Konzertsaison im Jahr 2002 sei so gut wie verplant, und es gäbe überhaupt keine Schwierigkeiten. Künstler zu finden. Ursula Grellmann erzählt weiter, dass sogar viele dann noch nach dem Auftritt auf ihr Fahrgeld verzichten und auch das zum weiteren Ausbau der Schlosskirche spenden. Die Freude und das Engagement, mit dem die 45 Vereinsleute für den Erhalt und den Aufbau der Kirche auftreten, wirkt ansteckend. Roswitha Mildner, schon seit DDR-Zeiten aktiv für die Kirche, ist immer noch begeistert über die Möglichkeit, endlich wirklich etwas bewegen und verändern zu können. „Wenn es den Verein nicht gegeben hätte, gäbe es heute ganz sicher die Kirche nicht mehr. Schon in den 80er Jahren zur Sprengung vorgesehen, wäre das architektonisch wertvolle Gebäude später hoffnungslos verfallen. Gleich 1990 haben wir begonnen, mit den damals noch fließenden Fördermitteln das Dach zu decken und den Turm erneuern zu lassen. Fenster wurden neu eingesetzt, alle Türen aufgearbeitet, die Empore neu eingebaut. Ich habe die große Hoffnung, dass wir demnächst die Seitenwände verputzen können und irgendwann eine Heizung einbauen, um die Nutzung der Kirche auch in der kälteren Zeit zu erweitern. All das ist aber nur möglich mit Spendengeldern, die wir vor allem auch durch unsere Konzertreihen bekommen. Ein gefülltes Kirchenschiff ist unser schönster Lohn."

9.0pt">Von Ines Klotz

 

27. September

Bläserensemble Riesa spielt für Amerika

Am Wochenende Konzerte in Gröba und Jahnishausen / Erlöse kommen einer amerikanischen Familie zugute

Ankuendigung

Unabhängig von den aktuellen Geschehnissen war das zweite Konzert am Sonntag in der Kirche in Jahnishausen um 16 Uhr schon lange als Benefizkonzert zum Ausbau der Schlosskirche geplant. In Abstimmung mit dem Verein "Historische Schlosskirche Jahnishausen e. V." kam man überein. dass auch hier die Eintrittsgelder zur Hälfte für Amerika gespendet werden können. Wolfgang Haufe betont, es sei ihnen allen ein großes Anliegen, dass das Geld nicht auf irgendeinem Spendenkonto eingeht. Sie wollen gezielt privat helfen. Er könne sich durchaus vorstellen, dass ein Familienmitglied der noch zu findenden Familie ein Instrument spielt, so dass man auch hier wieder über die Musik Brücken bauen könnte.
"Beide Konzerte bieten wie immer ein abwechslungsreiches Programm von Bach über Haydn und Dvorak bis hin zur Musik des 20. Jahrhunderts. Natürlich werden die Anfangsstücke dem Anlass entsprechend ausgewählt, insgesamt soll es aber eine musikalische Reminiszenz der USA-Reise werden, so der Dirigent. Es sei selbstredend, dass man sich viele Konzertbesucher wünsche, vor allem die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehren sind zu den Konzerten am Wochenende besonders herzlich eingeladen. Die Konzertbesucher am Sonntag werden gleichzeitig die Übergabe eines Bildes für den Kirchenraum, gemalt und gestiftet von dem Riesaer Maler Albert Cornelius, erleben. Mit diesem Höhepunkt endet die diesjährige Jahnishausener Konzertsaison.

SZ

 

Jahnishausen 2001

 

2. Mai

Oschatzer Vokalisten

 

10. Juni 2001

Bach und Zeitgenossen in der Schlosskirche Jahnishausen

Musik für Flöte, Sopran und Cembalo

12. August

"Worüber soll ich heut' noch singen?"

Liedermacher Karl-Heinz Bomberg

 

27. September

Bläserensemble Riesa spielt für Amerika